2. Digitaler Runder Tisch Berufliche Bildung: KI als Impulsgeber für neue Lern- und Arbeitswelten
Das ESF-Projekt „DiAgnostiK“ unterstützt die Ausbildungsqualität im Handwerk. Begleitend zur fachpraktischen Ausbildung in der überbetrieblichen Ausbildung sollen kleine, digitalgestützte Lernstandsmessungen frühzeitig erkennen lassen, wo es in der Fachtheorie „klemmt“. Damit kann frühzeitig gegengesteuert und die Abbruchquote erniedrigt werden.
Um die verschiedenen Akteure von beruflicher Bildung an einen Tisch zu bekommen und aktuelle Themen schlaglichtartig in den Diskussionsfokus zu rücken, wurde das digitale Format „Runder Tisch Digitale berufliche Bildung“ entwickelt und zum ersten Mal im November 2025 angeboten.
Am 28. April 2026 fand die zweite Auflage mit rund 70 Vertreterinnen und Vertreter aus Handwerk, Bildung, Wissenschaft und Politik statt. Sie diskutierten auf Grundlage von drei Impulsvorträgen aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen rund um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der beruflichen Aus- und Weiterbildung.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie KI die Arbeits- und Lernprozesse im Handwerk verändert. In einem Impulsvortrag wurde deutlich, dass sich Arbeitsstrukturen zunehmend wandeln: Klassische, langfristige Beschäftigungsverhältnisse werden durch flexiblere, projektbasierte Formen ergänzt. Digitale Plattformen und virtuelle Vernetzung schaffen neue „Arbeitswelten“, in denen Sichtbarkeit und kontinuierliche Weiterentwicklung an Bedeutung gewinnen.
Auch für die berufliche Bildung ergeben sich daraus weitreichende Konsequenzen. KI-gestützte Anwendungen eröffnen neue Möglichkeiten des individualisierten Lernens – etwa durch digitale Lernbegleiter, automatisiert erstellte Lerninhalte oder Simulationen. Gleichzeitig wurde kritisch diskutiert, dass grundlegende Lernkompetenzen nicht verloren gehen dürfen und der Digitalisierungsgrad insbesondere im Handwerk aktuell noch ausbaufähig ist.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Nutzung von KI in Prüfungsprozessen. Vorgestellt wurde ein Ansatz, bei dem Antworten von Prüflingen mithilfe von Sprachmodellen analysiert und strukturiert werden. Dabei steht nicht die automatische Bewertung im Vordergrund, sondern die Unterstützung der Prüfenden durch eine differenzierte Aufbereitung der Inhalte.
Diskussionsbedarf besteht weiterhin bei der digitalen Infrastruktur in der beruflichen Bildung. Insbesondere fehlende Schnittstellen zwischen Lernmanagementsystemen, Berufsschulen und Betrieben erschweren derzeit eine effiziente Nutzung digitaler Angebote. Praxisnahe und nutzerfreundliche Lösungen bleiben daher ein zentrales Entwicklungsfeld.
Der Runde Tisch hat erneut gezeigt, dass KI ein bedeutender Treiber für Innovationen in der beruflichen Bildung ist. Gleichzeitig braucht es gezielte Strategien, um technologische Möglichkeiten sinnvoll in bestehende Ausbildungsstrukturen zu integrieren und alle Beteiligten mitzunehmen.
Der nächste Runde Tisch ist für September 2026 geplant.
Hilke Domsch, DiAgnostiK-Team / GKZ Freiberg